Skizzenbuch – die Qual der Wahl

Als ich mit dem Zeichnen anfing, stellte ich mir bald die Frage, welches Skizzenbuch wohl das Richtige für mich wäre. Nach einigen Fehlkäufen folgte eine, nicht enden wollende Recherche nach dem idealen Buch. In den letzten Jahren, wohl auch dank der stark zunehmenden Gemeinde der Urban Sketchers, erweiterten die Hersteller ihr Programm zunehmend. Mittlerweile wird der Durst nach fast jeder Papierqualität gestillt. Das „ultimative“ Skizzenbuch wird es wohl nie geben, denn unterschiedliche Zeichenstile und Materialien erfordern unterschiedliches Papier. Ich möchte Ihnen in diesem Blogbeitrag die Merkmale verschiedener Skizzenbücher beschreiben, damit sie Ihre Auswahl leichter treffen können.

Skizzenbuch, Skizzenheft oder lose Blätter

Im Skizzenbuch hat man alles bei sich. Es ist der Schatz, den man hütet wie seinen Augapfel. Im Skizzenbuch arbeitet man nur für sich selbst. Die Inhalte kann man scannen und online teilen. Jedoch wird fast niemand sein Skizzenbuch zerfleddern und Seiten herausreißen. Auch „schlechte Seiten“ können im Buch verbleiben, übermalt und neu gestaltet werden. Das Buch wird später voller Zeichnungen in einem Bücherregal stehen und wir können es nach Jahren herausnehmen und darin blättern. Es birgt viele Erinnerungen und einen Teil des Lebens.

Zeichenhefte haben meist dünneres Papier, das sich gut für Zeichnungen, jedoch selten für große Lavierungen mit Wasser oder gar Marker eignet. Zeichenhefte haben den Vorteil des Leichgewichtes. Sie tragen nicht auf und sind schnell in einer Tasche verstaut. Sie sind kostengünstig und nehmen dem Zeichner die Angst vor dem weißen Blatt. Die preiswerten Heftchen fordern nicht unbedingt eine perfekte Zeichnung. Obwohl ich schon atemberaubende Zeichnungen in Skizzenheften gesehen habe.

Dünnes, leichtes Zeichenheft

Lose Blätter haben einige Vorteile. Gelingt eine Zeichnung nicht, tangiert es uns nicht. Das Blatt kann ja leicht getauscht werden. Bei losen Blättern kann man auf hervorragendes Papier der renommierten Papiermühlen auch in großen Größen zurückgreifen. Lose Blätter lassen sich später toll ausstellen, scannen, rahmen oder auch verkaufen. Allerdings haben lose Blätter nicht die Intimität eines Skizzenbuches. Auch wenn man sie später zu einem Buch binden könnte oder in einer Klemmmappe aufbewahren kann. Die Entscheidung für lose Blätter wird wohl bei Künstlern fallen, die ihre Skizzen ausstellen und verkaufen wollen. Für lose Blätter benötigt man unterwegs einen stabilen Untergrund in Form eines Zeichenbrettes oder Kartons, um vernünftig darauf zu zeichnen.

Es gibt verschiedene Kriterien, die Sie beim Kauf eines Skizzenbuches beachten sollten:

  • Format
  • Größe
  • Bindung
  • Grammatur
  • Materialeignung
  • Papierfarbe
  • Seitenanzahl
  • Hadernanteil
  • Säurefreiheit
  • Einband
  • Nachhaltigkeit
  • und zusätzliche Features, wie Bändchen, Aufbewahrungstasche etc.

Format
Skizzenbücher werden in den Formaten Landscape, Porträt, Quadratisch oder als Leporello angeboten

Landscape ist ein horizontales, längliches Format. Ich mag diese Größe sehr gerne für (urbane) Landschaften. Über die Mitte gezeichnet kann man einen sehr breiten Landschaftsausschnitt erfassen. Hochkannt, über die Doppelseite gezeichnet, eignet es sich für die Zeichnung eines sehr hohen Gebäudes. Diese langen oder extrabreiten Zeichnungen eignen sich jedoch nicht besonders zum Teilen in den sozialen Netzwerken, da dort die Abbildung unspektakulär klein erscheint, eventuell zugeschnitten dargestellt wird und weniger Klicks erhält. Es ist trotzdem mein Lieblingsformat.

Dreimal Landscape (Moleskine Aquarellbücher)

Porträt ist ein Hochformat, das sich, wie der Name schon sagt, gut für Porträts eignet. Ich mag dieses Format sehr gerne um z.B. im Zug Menschen zu skizzieren. Kleine Bücher im Porträtformat kann man auch im Stehen gut in der Hand halten. Ideal um z.B. an der Bushaltestelle oder unterwegs bei Veranstaltungen zu zeichnen. Wenn man über die Doppelseite eines Porträtskizzenbuches arbeitet, erhält man wieder ein Landscape Format. Porträtseiten sind ideal für das Teilen der Scans im Internet. Sie werden dort recht groß dargestellt.

Quadratische Skizzenbücher finde ich nicht so toll. Ich finde es schwer, in diesen Büchern einen goldenen Schnitt zu finden. Quadratische Bücher eignen sich jedoch sehr gut für spezielle Themen, z.B. jede Kaffeetasse zeichnen, aus der man trinkt. Oder für eine Challenge wie „Every day in May“ oder „Inktober“. Wie interessant Sie diese Skizzenbücher finden, müssen sie selbst einschätzen. Wer Instagram mag, wird wahrscheinlich auch quadratische Skizzenbücher lieben.

Leporellos sind lange gefaltete Bücher. Man kann perfekt fortlaufende Szenen, Straßenzüge, Stadtansichten oder Bergketten zeichnen. Gefaltet werden Leporellos fast immer im Porträtformat angeboten. Auch eignen sie sich als Themenbücher einer Stadt oder eines Urlaubs. Eine spannende Sache. Aber nichts für die Angst vor dem weißen Blatt, außer man faltet es sich selbst, kostengünstig aus einer Papierrolle.

Ein Leporello mit der typischen Ziehharmonika-Faltung


Format, klein oder groß?
Es kommt darauf an, was Sie mit Ihrem Buch machen wollen. Skizzenbücher sind sowohl in kleinen Größen, wie z.B. DIN A6 als auch im großen DIN A3 Format erhältlich. Ich empfehle mehrere Größen zu kaufen. Für unterwegs, in der Handtasche, ist ein kleines Buch toll. Wenn ich speziell zum Zeichnen nach draußen gehe, habe ich einen Zeichen-Rucksack mit 2-3 unterschiedlichen Büchern dabei. Ich packe immer für alle Eventualitäten. Große Größen bewahren mich vor zu fummeligen Zeichnungen. Auch kann ich im großen Buch wunderbar mit dem Aquarellpinsel kolorieren. Für den Wasserpinsel wird es manchmal schwer im großen Format genug Wasser aufs Papier zu bringen. Den Wasserpinsel setze ich lieber in Büchern DIN A5 und kleiner ein.

Bindung
Es gibt Skizzenbücher mit Klebebindung. Bitte verzichten Sie darauf. Ihnen werden bald die losen Seiten entgegenfallen. Die Klebebindung bricht schnell bei häufigem Aufschlagen des Buches. Skizzenbücher sollten fadengebunden sein. Ein gutes Skizzenbuch liegt, aufgeschlagen, flach auf dem Tisch. Sie können dadurch über beide Seiten zeichnen. Es lässt sich gut scannen und die Seiten brechen nicht heraus.
Alternativ können Sie Bücher mit Spiralbindung verwenden. Wie es der Name schon sagt, werden die Seiten gelocht und durch eine Draht- oder Kunststoffspirale zusammengehalten. Diese Bücher sind interessant, wenn Sie eine Zeichnung später entnehmen wollen. Die Seite kann leicht herausgerissen werden. Lassen Sie dann aber die Rückseite frei. Es wäre schade, wenn sie hinter der Vorderseite in einem Rahmen versteckt werden würde.
Wenn Sie noch unsicher zeichnen, möchten Sie vielleicht die ein oder andere Seite nicht mehr sehen. Es gibt einige gute Strategien solche Zeichnungen in einem fadengebundenen Skizzenbuch abzudecken. Aus einem Spiralbuch können Sie die Seite eliminieren. Ob Sie es später bedauern, steht auf einem anderen Blatt.

kleines quadratisches Skizzenbuch mit Spiralbindung

Grammatur
Bezeichnet die flächenbezogene Masse. Ein Schreibmaschinenpapier hat ein Gewicht von 80g bei einem Maß von einem Quadratmeter. Skizzenbücher mit dieser Grammatur sind nur für Bleistift oder Fineliner geeignet. Selbst Kugelschreiber drücken auf die Rückseite durch. Für nasse Materialien, wie Tusche, Tinte, Aquarellfarbe, Gouache oder gar Acrylfarben benötigt man mindestens eine Grammatur ab 120g/m2 oder Spezialpapiere, wenn Sie auf der Rückseite der Zeichnung arbeiten wollen.

Materialeignung
Und hier sind wir dann auch schon bei der Materialeignung. Im Prinzip müssen Sie sich auf die Herstellerangaben verlassen. Viele Faktoren, wie Lichtundurchlässigkeit, Porosität, Rauigkeit, Wasserbeständigkeit, Saugfähigkeit, Beschreib- und Bedruckbarkeit, Hygroskopizität (Feuchtigkeitsaufnahme), die volumenbezogene Dichte etc. beeinflussen die Eigenschaften von Papier sehr. Hier hilft eigentlich nach einem Kauf nur noch der Test mit den bevorzugten Materialien. Bei unbekannten Skizzenbüchern suche ich mir eine leere Seite im Buch und dann teste ich alle Materialien, die ich verwenden will. Ich starte mit dem Bleistift und ende beim alkoholbasierten Marker. Bluten Farben aus, ist der Strich durch die Struktur des Papiers unterbrochen oder scheint die Farbe auf der Rückseite durch? Es ist gut, wenn man vorher weiß, was man in seinem Skizzenbuch tun oder besser lassen sollte.

Papierfarbe
Weiß, Natur und Chamois (gelblich) sind die Standardfarben. Braunes Kraftpapier und graues Papier laden zum Höhen einer Zeichnung ein. Das heißt, das Papier hat selbst den mittleren Tonwert in einer Zeichnung. Mit Weiß kann man Lichter verstärken und mit dunkleren Grau-, Schwarz oder Brauntönen die Dunkelheiten erzeugen. Hahnemühle hat mit dem Grey Book ein, von Zeichnern langersehntes, graues Skizzenbuch auf den Markt gebracht. Bald werden wohl andere Hersteller folgen. Es gibt auch schwarze Bücher auf dem Markt. Sehr interessant sind diese Bücher für weißen Stift oder bunte Acrylmarker. Ein netter Effekt für nächtliche Szenen.

Buntes und graues selbstgebundenes Skizzenbuch, schwarzes Buch von Fabriano und braunes Kraft Skizzenbuch von Hahnemühle

Seitenanzahl
Skizzenhefte haben ca 30 bis 40 Seiten, das heißt 15 bis 20 Blatt. Skizzenbücher sind da schon erheblich dicker und schwerer. Hier gilt es wieder abzuwägen. Möchten Sie z.B. Reiseeindrücke in einem einzelnen Buch festhalten und benötigen dabei leichtes Gepäck, dann würde ich zum Skizzenheft mit weniger Seiten tendieren. Spielt das keine Rolle und Sie möchten alle Ihre Skizzen in einem Buch haben, dann würde ich das große Skizzenbuch nehmen. Das ist wirklich Geschmackssache. Klar ist, je mehr Seiten, je höher die Grammatur und je edler das Papier, desto höher der Preis. Diesen bestimmt allerdings auch das Branding. Aber auch mit Billigmarken kommen Sie ans Ziel. Ich persönlich denke nicht viel über den Preis nach. Ich verbringe mit einer Seite manchmal 1-2 Stunden. Wenn dann eine Seite Papier 50 Cent kostet, dann steht das in keinem Verhältnis zum Zeitaufwand.

Hadernanteil
Hadern sind heute überwiegend Baumwollfasern. Früher sagte man zu Lumpen auch Hadern und genau diese wurden für die Papierherstellung verwendet. Ein Hadernanteil macht das Papier reißfest und alterungsbeständig. Wenn Sie ein Aquarellbuch suchen, sollten Sie auf einen Hadernanteil achten. Die Papiere sind einfach besser für nasse Techniken geeignet.

Säurefreiheit
Haben Sie schon mal ein altes Papier aus den 60ern angefasst. Ich habe noch ein paar Blöcke und Zeitungen aus dieser Zeit. Das Papier fühlt sich komisch an. Man hat das Gefühl, es zerfällt bald. Schuld daran ist Säure, die für die Herstellung maschinell gefertigten Papiers und als Ersatz für die Verwendung des Knochenleims notwendig war. Diese Säure zerfrisst jedoch die Celluloseketten des Papiers und lässt es über die Jahre zerfallen. Auch säurehaltige Tinten können einen Tintenfraß im Papier bewirken. Wenn Sie Ihre Skizzenbücher durch ihr Leben und sogar noch über das Leben hinaus bringen wollen, dann achten Sie auf säurefreies Papier.

Einband
Karton, griffiges Kunstleder, Leder, Leinen und Stoffe. Es gibt eigentlich nichts, was es nicht gibt. Vorteil der, mit Kunststoff überzogenen Einbände ist ihre Widerstandsfähigkeit gegen Feuchtigkeit. Allerdings schwitzen diese Bücher im Sommer in der Hand. Bücher mit Kartoneinband lassen sich gut von Außen bemalen. Leder bevorzuge ich nicht. Handgebundene Bücher in Leder sehen zwar sehr toll aus, müssen meiner Meinung nach, aus Tierschutzgründen, nicht sein. Leder wird außerdem mit extrem vielen giftigen Chemikalien behandelt. In einer, im Sommer schwitzenden Hand, kann das sogar zu Kontaktallergien führen.

Nachhaltigkeit
Für Hersteller wird es immer wichtiger nachhaltige Bücher anzubieten. Das FSC Label hat leider bereits unter Skandalen gelitten. Trotzdem sollte man eher zu umweltzertifizierten Büchern greifen. Sie können Bücher aus Altpapier kaufen und aus schnell nachwachsenden Rohstoffen, wie Bambus. Es gibt Hersteller, die ökonomisch mit Wasser umgehen. Es lohnt sich, darüber nachzudenken – der Umwelt und nachfolgenden Generationen zuliebe.

Kleines chamoisfarbenes Moleskine Journal mit Gummiband, Lesebändchen, Aufklebern, Tracing Papier und Papiertasche für Eintrittskarten und Zeugs und „runden“ Ecken

Zusätzliches
Ich mag an einem Skizzenbuch ein Gummiband. Ich finde auch eine Papiertasche im Einband schön, in die man Eintrittskarten und andere Erinnerungsdokumente stecken kann. Auch finde ich „runde“ Ecken und ein Lesebändchen gut.
Aber das ist kein Muss. Ein Gummiband kann man sich selbst basteln. Eventuell fügt man einen Stiftehalter hinzu. Auch eine Papiertasche kann man sich selbst einkleben. Und der Markt bietet Lesebändchen an, die man später selber montieren kann. Also lässt sich auch ein „stinknormales“ Skizzenbuch jederzeit zu einem Luxusbuch supern. Eine bunte Bemalung, z.B. mit Acrylfarbe macht es dann zum Hingucker.

 

5 Gedanken zu „Skizzenbuch – die Qual der Wahl“

  1. Hallo,

    ein toller Artikel zu allen Punkten, die man bei Skizzenbüchern beachten kann. Er schafft einen guten Überblick.

    Ich denke, es geht aber tatsächlich auch nichts über das Testen von verschiedenen Büchern und Papieren. Ich habe während der #OneWeek100People Challenge festgestellt, dass ich für unterwegs Spiralbindung gar nicht mal so schlecht finde. Vorher habe ich der Bindung wenig abgewinnen können, weil ich meist an Tischen gearbeitet habe und sie mich dort gestört hat. Stehend oder in der Bahn zeichnend, hatte ich jedoch den perfekten Halt mit der Spiralbindung.

    Viele Grüße

    Moony

    1. Hallo Moony,
      Das ist ein sehr gutes Argument pro Spiralbindung. Gerade wenn man das Buch in der Hand hält und nicht auf den Knien ablegen kann, sehe ich ebenfalls die Vorteile. Ich bevorzuge für die Zeichnungen in der Bahn trotzdem gebundene Skizzenbücher im Porträtformat. Die kann ich dann mit einem Schnapp zuklappen, wenn mir jemand zu neugierig wird oder das Gegenüber etwas merkt und komisch guckt. Ich arbeite bereits an Tests mehrerer Skizzenbücher. Die will ich nach und nach veröffentlichen.
      Viele Grüße
      Jutta

      1. Hallo Jutta,

        ja das ist ein gutes Argument. Gerade während der #OneWeek100People Challenge habe ich manchmal komische Blicke geerntet.

        Ich freue mich schon sehr auf die weiteren Beiträge!

        LG Moony

  2. Hallo Jutta,
    toller Artikel – eine schöne Übersicht, für alle, die mit Skizzenbuch arbeiten wollen. Nach jahrelangem Frust habe ich mich entschieden, dass ich am besten mit einer Loseblatt- Sammlung fahre. Wobei ich für Reisen mir nun ein Extra Skizzenbuch angeschafft habe – ich halte „danebengegangene Skizzen“ in einem Buch nämlich nie aus. Ich möchte mich mal dazu bringen, alle Ergebnisse zu akzeptieren- bei Skizzen ist mein Perfektionismus nämlich wohl fehl am Platz 😉
    Ich habe gerade eine Blogserie zum Thema, wie sortiere ich meine Loseblattsammlung angefangen.
    Liebe Grüße,
    Sabrina

    1. Liebe Sabrina, danke für den schönen Kommentar. Ich habe unterschiedliche Skizzenbücher. Es gibt persönliche Bücher, die nur für meine Augen sind. Da darf ich auch mal nicht perfekt sein und lasse das auch zu. Generell gilt, aus Fehlern lernt man und lasse Deine Fehler zu. Das macht Dich menschlich. Mein Tipp für die Skizzenbücher, die Du zeigen willst: Überklebe oder übermale die Skizze, die Dir nicht gefällt und mach was neues daraus. z.B. eine Kollage etc. Oder Du arbeitest mit einem Klemmhefter, einer Sammlung an losen Blättern oder Skizzenbüchern mit einer Perforation oder Ringheftung, wenn Du Dich wirklich nicht mit dem Ergebnis anfreunden kannst.
      Viele Grüße, Jutta

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