Snail Mail Postkarten – ja, bitte!

Das Internetzeitalter schafft so einiges ab. Briefe, Werbung, selbst Rechnungen flattern beinahe nur noch per E-Mail ins Haus. Der Postbote bringt fast ausschließlich Pakete und ein paar Postwurfsendungen der örtlichen Supermarktketten, selten eine Rechnung oder einen Katalog. Der handgeschriebene Brief wird nur noch unter echten Nostalgikern per Schneckenpost verschickt. Ganz klar, dafür ist Briefpapier, ein Stift oder besser Füller, ein Kuvert, eine Briefmarke und viel Zeit notwendig. Aber es ist eine echte Wertschätzung des Empfängers, wenn man sich diesen Aufwand leistet. Die guten alte Postkarten, die Freunde oder Familie aus dem Urlaub schickten und die dann an die Korkpinnwand oder Magnettafel geheftet wurden, verschwinden im Schleier der Zeit. Heute sieht man sich Selfies von Freunden auf deren Facebook oder Instagram Seite an und wünscht, fast in Echtzeit, einen schönen Urlaub. Wer denkt heute daran, schlecht gedruckte Postkarten aus dem Urlaub zu verschicken.

Aber es gibt sie noch, die Anhänger von Füller und Briefmarke. Zeichner können die Postkarte zu einem echten Leckerbissen machen, bei dem sich jeder Postzusteller die Augen reibt. Dem Empfänger eines solchen kleinen Kunstwerks wird mit diesem Gruß der Tag versüßt.
Ich wusste von Postkarten-Tauschs unter Zeichnern. Ich hatte davon in einem Facebook Beitrag vom Buchautor Albrecht Rissler gelesen. Sein Verlag schrieb einen Wettbewerb aus. Wer die schönste Postkarte schickte, bekam damals einen Preis. Ich hatte die Aktion zu spät gesehen und schrieb unter den Beitrag, dass ich das bedaure. Albrecht Rissler bot mir daraufhin einen direkten Postkartentausch an. Ich war von den Socken, als die wunderbare Postkarte des Gorillas ins Haus flatterte.

Postkarte von Albrecht Rissler

Auch hatte ich private Postkartentauschs vereinbart. Katrin Merle, Illustratorin und Urban Sketcher aus Berlin, schickte mir diese hübsche Karte.

Postkarte von Katrin Merle

Ich kannte Postkarten- und Brieftauschgruppen aus dem Internet. Eine Bekannte machte mich jedoch erst in diesem Jahr im April darauf aufmerksam, dass es eine internationale Urban Sketchers Gruppe auf Facebook gäbe, die Postkarten tausche.
Das musste ich natürlich testen. Die Gruppe ist geschlossen, d.h. ohne Anmeldung kann man dort nicht rein. Das ist auch gut so. Die Bedingungen wurden geändert. Die neuen Bedingungen finden Sie am Ende des Textes. (Denn im oben fixierten Beitrag stehen alle Adressen der Tauschwilligen. Einmal angemeldet, postet man dort seine Adresse als Foto in dem Albumsordner . Die Moderatorin der Gruppe fügt den Neuankömmling zu einer 5er Gruppe hinzu. Das ist die Pflicht. Diesen 4 anderen Personen in der Gruppe muss man eine selbst skizzierte Postkarte senden. Und wenn man Glück hat, bekommt man auch 4 Postkarten zurück.) Ich bin in einer sehr pflichtbewussten Gruppe gelandet und habe eine Postkarte von der Ostsee, eine aus Lübeck, eine aus Italien und eine Karte aus Indien erhalten. Wann bekommt man schon mal Post aus Indien?! Da keine meiner Bekannten auf dem Eat-Pray-Love Trip sind, wären die Chancen dafür gleich Null gewesen.

Postkarte von Chaitanya Padhye

Für die nachfolgenden Tausche sollte man sich in der Facebook-Gruppe mit anderen verabreden. Natürlich ist auch ein Versand auf gut Glück möglich. Aber das ist die Kür. Ich habe eine solche unerwartete Karte aus Fehmarn erhalten. Als sie eintraf, hat sich der Postbote mit mir gefreut. Er bringt mir die Post immer in den Laden und legt sie mir auf die Theke. Deshalb finde ich es auch schön und ich appelliere an alle, ihre gezeichneten Postkarten nicht in Kuverts zu stecken. Ich habe meine Karten direkt auf der Rückseite mit einer Briefmarke beklebt. Und sie wurde auch im Ausland sehr schnell zugestellt. Normalerweise wird sie beim Versand auch nicht nass. Ein wenig Nervenkitzel schadet auch nicht. Außerdem wirken die Karten mit abgestempelter Briefmarke noch besser.
Meine nächsten 3 Postkarten sind bereits auf dem Weg. Ich war gestern mit meiner Freundin, die jetzt auch in der Gruppe ist, beim Skizzieren.

Andrea beim Postkarten zeichnen

Ich freue mich, wenn der Empfänger die Karten fotografiert und in der Facebook Gruppe online stellt.
Ganz ohne Internet geht es dann doch nicht.

3 weitere Karten für den Tausch

Nochmals der Link zur Gruppe https://www.facebook.com/groups/1763428817260061/

Die neuen Bedingungen seit Juli 2017: Sie melden sich in der Facebook Gruppe an und posten ein Foto mit Ihrer Adresse in dem Fotoalbum „Random Exchange“.  Nun sollten Sie an die Adresse, die vor Ihrer und an die, die später nach Ihrer eingestellt wird, eine Karte schicken. Der restliche Tausch ist frei. Wichtig: Die erhaltenen Postkarten „muss“ man Fotografieren und in die Gruppe stellen und dann natürlich ebenfalls mit einer Postkarte beantworten. Der große Vorteil des neuen Systems. Wenn man keine Lust mehr hat, oder sich die Adresse ändert, kann man seinen Eintrag selber ändern oder löschen. Allerdings sollte man schon noch auf alle Karten antworten.

4 Gedanken zu „Snail Mail Postkarten – ja, bitte!“

  1. Du hast ja so recht! Bisher konnte ich mich immer nur Weihnachten freuen, wenn ich die selbstgestalteten Karten meiner Malfreundinnen bekommen habe. Jetzt freu ich mich unheimlich, auch in der Postkartengruppe zu sein und kann es kaum erwarten, wann die 1. Karte eintreffen wird. Danke, dass du mich dort dazugebracht hast.
    Gratuliere zu dem Blogeintrag, toll geschrieben und bebildert! Und… nein, ich habe die Pegeltreppe nicht bestiegen, ich saß nur drauf *lach*

    1. Liebe Andrea, es hat so viel Spaß gemacht, mit Dir diese Karten zu zeichnen. Ich werde jetzt zu jedem Treffen eine leere Postkarte mitnehmen. Vielleicht ist das auch eine gute Strategie um sich einzuzeichnen. Auf alle Fälle bist Du risikobereiter als ich (Treppe). 😉
      Viele Grüße, Jutta

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