Zeichnung oder Malerei, wo ist der Unterschied?

Strich und Fläche

„Lass uns malen!“ Als Kind kannte ich natürlich den Unterschied nicht, wenn ich meine Filzstifte packte und eine Comicfigur abzeichnete. Ja, es war Zeichnen und nicht Malen. Selbst meine Malfreundin hält die Begriffe nicht auseinander. Sie lacht immer, wenn ich sie verbessere. Spätestens, wenn man jedoch sein Werk beschreiben will, wenn man es ausstellt, verkauft oder ins Internet stellt,
sollte man den Unterschied kennen.

Zeichnen definiert sich durch Striche und Linien

Beispiel einer Zeichnung, Portrait, Tuschezeichnung auf Papier, DIN A4
Portrait, Tuschezeichnung auf Papier, DIN A4 © Jutta Richter

Beim Zeichnen werden Linien auf den Zeichenuntergrund gesetzt und für eine räumliche Darstellung in verschiedenen Tonwerten ausschraffiert. Durch dunkle Schraffuren erzeugt man Schatten und damit Tonwerte und Tiefe. Erreicht wird dies durch dichter angelegte, bzw. durch übereinandergelegte Linien, die sich überschneiden (Kreuzschraffur). Es gibt  auch viele weitere „Tricks“, die man einsetzen kann, um eine Zeichnung dreidimensionaler wirken zu lassen.

Malerei arbeitet mit Flächen

Portrait einer Frau mit Federkragen und rotem Haar in Öl auf Malpappe mit Leinwand bespannt, 15 x 15 cm
Portraitmalerei einer Frau in Öl, 15 x 15 cm © Jutta Richter

Bei der Malerei werden Flächen, meist farbig, aneinander und übereinander gesetzt. Die Ränder dieser Farbflächen ersetzen die Linie, wie man sie von der Zeichnung kennt. Die Farbabstufungen modellieren und formen die Fläche. Dunkle Tonwerte treten nach hinten – Helle nach vorn. Die harten Kanten (in diesem Beispiel an Wange und Nase) ersetzen die Linie der Zeichnung.

Mischungen aus Malerei und Zeichnung

La Pedrera, Villa Mia, Barcelona, Kolorierte Zeichnung
La Pedrera, Villa Mia, Barcelona, Kolorierte Zeichnung © Jutta Richter

Natürlich gibt es auch Übergänge zwischen Zeichnung und Malerei und oft sind sie fließend. Beispiele sind z.B. die kolorierte Zeichnung oder die Pastellmalerei. In der Pastellmalerei wird durch Verwischen der Kreidestriche eine flächige Arbeit erzeugt. Pastellkreide kann jedoch auch zeichnerisch genutzt werden.
Hier im Beispiel wurde ein Aquarellfarbauftrag auf die Zeichnung gesetzt. Jedoch wurde die Zeichnung nicht „ausgemalt“ Auch hier wird die Tiefe durch flächige Farbabstufungen von Hell nach Dunkel erzeugt.
Eine Zeichnung mit wasserlöslichen Stiften kann laviert (mit Wasser angelöst werden) oder ein Medium wie Öl wird durch umreißende schmale Pinselstriche, einem Faserstift gleich, wie eine Zeichnung eingesetzt.

Typische Medien der Zeichnung sind: Bleistifte, Graphitstifte, Buntstifte, Kreiden, Fineliner, Füller, Tuschefedern, Kohle, Filzstifte und Marker

Typische Medien der Malerei sind: Aquarellfarbe, Acrylfarbe, Ölfarbe aber auch Tuschen

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